AG für Tiergesundheit

Dezember 2015: Pyelonephritis (Nierenbeckenvereiterung)

Der Bauer hat uns angerufen, weil er glaubte, dass seine Kuh am Abortieren ist. Die Kuh hatte Blut an der Scham und Bauchweh gezeigt. Sie war zu dem Zeitpunkt knapp 9 Monate trächtig.

Bei der klinischen Untersuchung kam heraus, dass mit dem Kalb alles in Ordnung war. Die Kuh hatte jedoch starken blutigen Harn. Die Verdachtsdiagnose war eine Harnblasenentzündung oder eine Nierenentzündung. Folglich wurde eine Therapie mit hochdosiert Penicillin und einmalig Schmerzmittel begonnen. Die Kuh sprach sehr gut auf die Therapie an.

Nach etwa 3 Wochen begann die Kuh schlechter zu fressen. Der Bauer hatte wieder den Verdacht dass mit dem Kalb etwas nicht stimmt. Er hat erneut den Tierarzt zu Rate gezogen. Bei der Untersuchung ist nicht viel Besonderes aufgefallen. Das Kalb lebte. Die Kuh hatte Untertemperatur und einen sehr schlecht gefüllten Pansen. Da der Geburtstermin bereits mehr als eine Woche überschritten war, wurde die Geburt vom Tierarzt eingeleitet. Zusätzlich hat man die Kuh gedrencht und mit Mineralstoffen und Glukose versorgt.

Obwohl die Geburt gut verlief, kam es trotzdem zu einem Nachgeburtsverhalten. Bei der Behandlung wurde neben dem Antibiotika und Gebärmuttertabletten nochmals eine Infusion verabreicht. Zwei Tage darauf kam wieder ein Telefon vom Bauern, die Kuh fresse immer noch sehr schlecht. Im darauffolgenden Gespräch kam heraus , dass der Harn am Morgen erneut leicht gerötet gewesen sei. Um das genaue Ausmass der Harnveränderung auszumachen wurde der Kuh über einen Harnkatheter Harn entnommen. Dieser Harn war stark dunkelrot verfärbt und enthielt viele grosse Eiterflocken. Aufgrund dieses Befundes war für uns klar, dass die Blasenentzündung wieder aufgeflammt sein muss oder, wahrscheinlicher, dass das Tier an einer schlimmen Nierenentzündung litt.

Da die Kuh auf unsere Therapie mit hochdosiert Penicillin, Schmerzmittel, Drenchen und Infusion im Dauertropf keine Verbesserung zeigte, wurde sie am nächsten Tag euthanasiert. In der darauffolgenden Sektion sah man stark veränderte Nieren, deren Becken mit Eiter angefüllt waren. Somit wurde unsere Verdachtsdiagnose bestätigt.

In den meisten Fällen trifft man diese Erkrankung im Zusammenhang mit vorangegangenen Aborten, Schwergeburten, schlechter Geburtshygiene oder Gebärmutterentzündung an. Der Erreger, oft Corynebacterium renale, gelangt meistens über die Harnwege in die Niere.

Zur Therapie gehört neben der Stabilisation des Allgemeinzustandes auch die Verabreichung von hochdosiertem Penicillin. Zusätzlich kann der Harn täglich durch das Füttern von 100g Natriumhydrogenphosphat angesäuert werden. Bei einseitiger Erkrankung kann auch die erkrankte Niere operativ entfernt werden.